Hecken und bunte Wegränder für Hase & Co – Biotopverbund für eine lebendige Umwelt

Feldhasen (© S. Mann)

Viele Hecken und Wegränder wurden im Zuge der Flurneuordnung und einer intensiven Landbewirtschaftung beseitigt. Traditionell bildeten Hecken das Landschaftsbild prägende Strukturelemente, die neben der Abgrenzung von Nutzflächen auch zur Futter- (Blattheu) und Brennholzgewinnung dienten. Je nach Ausprägung und Aufbau herrscht im direkten Umfeld und in der Hecke ein besonderes Kleinklima. Durch die Gehölze wird der Wind gebremst, was zu einer Verringerung von der Winderosionen (Bodenauswehung) auf leichten Böden führt. Weiterhin kommt es zu einer schnelleren Erwärmung des kalten Bodens. Durch das Wurzelgeflecht kommt es zu einer Bodenfestlegung, was Erosionen durch Wasser verhindert. Durch den Schattenwurf ist die Schattenseite der Hecke bei starker Sonneneinstrahlung im Sommer kühler und weist eine höhere Luftfeuchtigkeit auf als das Umland. Gehölze verdunsten mehr Wasser als krautige Pflanzen was bewirkt, dass es bei hohen Temperaturen kühler ist als in der Umgebung.

Wildbiene auf Färberkamille (© S. Mann)

Zusätzlich haben Hecken einen hohen Wert als Verbundelement in dem sie verschiedene Biotope miteinander verbinden und so Tieren und auch Pflanzen Verbreitungsmöglichkeiten und geschützte Wanderräume bieten. So nutzen viele Singvögel und Fledermäuse Hecken als Leitlinien während ihres Zuges in die Brut- und Überwinterungsgebiete. Auch im gesamten Jahresverlauf bieten Hecken einer Vielzahl von Insekten-, Säugetier- und Vogelarten Lebens- und Rückzugsraum, in der sonst ausgeräumten Kulturlandschaft. Viele dieser in Heckenstrukturen lebenden Tierarten ernähren sich von „Schädlingen“ (z.B. Blattläusen) in der Landwirtschaft. Mit dem Rückgang an Hecken geht auch der Bestand und die Vielfalt an natürlichen Schädlingsbekämpfern zurück.

Mit dem Schutz, der Pflege und Neuanpflanzung von Hecken kann eine Vielzahl von Effekten in der Kulturlandschaft erreicht werden. Neben den positiven Wirkungen auf das Landschaftsbild gewährleisten naturnahe Hecken einen effektiven Boden- und Artenschutz und können durch ihre ökologischen Funktionen helfen, den Einsatz von Dünge- und Schädlingsbekämpfungsmittelen zu reduzieren. Aus diesen Gründen liegen dem Verein Maßnahmen zum Erhalt und zur Neueinrichtung solcher Landschaftsstrukturelemente am Herzen.

Weitere Informationen zu Hecken ...

Es werden drei verschiedene naturnahe Heckentypen auf Grund ihrer Struktur unterschieden.

Raupe Schwalbenschwanz (© S. Mann)
  • Niederhecken: bestehen vorwiegend aus niedrigen Sträuchern mit einer Höhe von zwei bis drei Metern.
  • Hochhecken: besitzen im Zentrum Büsche mit einer Höhe von fünf Meter, die von niedrigen Sträuchern eingerahmt werden.
  • Baumhecken: sind eine Kombination aus Nieder- und Hochhecken, in denen einzelne Bäume stehen. Meistens stehen diese Bäume im Zentrum der Hecke. Dieser Heckentyp entstand entweder auf Grund ausbleibender Pflege oder wurde z.B. als Witterungsschutz und Unterstellmöglichkeit für Weidevieh in der Form angelegt.

Bei der Anlage von Hecken sollte darauf geachtet werden, dass sie möglichst die optimale Struktur aufweist. Eine optimale Heckenstruktur besteht aus fünf Bereichen, die aus drei verschiedenen Zonen aufgebaut ist:
Saumzone – Mantelzone – Kernzone – Mantelzone – Saumzone

Heckenpflanzung mit Blütensaum (© S. Mann)
  • Saumzone: Die Saumzone besteht optimaler Weise aus einem fünf Meter breiten Streifen, der mit Stauden und Wildkräutern bestanden ist. Dieser Streifen dient als Puffer um Einflüsse aus der Landwirtschaft (Düngemittel, Schädlingsbekämpfungsmittel) auf die Gehölzzonen der Hecke möglichst gering zu halten.
  • Mantelzone: Die Mantelzone bilden kleinere Gehölze und Sträucher, die eine recht hohe Austriebsfähigkeit besitzen. Die Mantelzone besitzt zusammen mit der Kernzone im optimalen Zustand - ebenso wie die Saumzone - eine Breite von mindestens fünf Meter.
  • Kernzone: In der Kernzone sind neben niedrigeren, einzelne große Gehölze (Bäume) als Überhälter vertreten.

Bei der Anlage von Hecken ist darauf zu achten, dass heimische und standortgerechte Pflanzenarten gewählt werden, die möglichst aus regionaler Anzucht (Gärtnereien, Baumschulen) stammen. Erfahrungen zeigen, dass Pflanzen, die aus der Region stammen und in der Zucht nahezu unbeeinflusst wachsen konnten (Wässerung nur in absoluten Notsituationen etc.) eine deutlich höhere Anwachsrate aufweisen als Pflanzen aus anderen Regionen, welche überwiegend unter anderen Umweltbedingungen (Standortbedingungen) aufwuchsen. Nach den Pflanzungen ist es zwingend notwendig, mindestens in den ersten Jahren Pflegemaßnahmen durchzuführen. Direkt bei der Pflanzung sind Gehölze, die einem hohen Verbissdruck durch Wild unterliegen ggf. durch Zäunung oder andere Schutzvorrichtungen vor Äsung zu sichern. Ebenso gehört die Bewässerung in Trockenphasen und das Freistellen (Mähen) der Pflanzen zu den Pflegemaßnahmen.

Referenzen

  • Anpflanzung von Heckstrukturen. In der zum Teil ausgeräumten Agrarlandschaft des Unteren Saaletal wurden entlang von Feldwegen mehrere Hecken zur Neuschaffung und Wiedereinrichtung von Lebensräumen für Tiere und Pflanzen angelegt. Die Pflanzungen erfolgten zum Teil in Kooperation mit dem Landesjagdverband, mit ansässigen Bauern und der Stadt Könnern.
  • Pflege von Heckstrukturen (z.B. Bewässerung nach Neuanlage in Trockenzeiten; Freihalten der Anpflanzung; Nachpflanzung bei Ausfällen).