Silikatfelsen mit Pioniervegetation des Sedo Scleranthion oder des Sedo albi-Veronicion dillenii (LRT 8230)

typischer Standort des LRT 8230 in der Porphyrkuppenlandschaft bei Halle (© D. Elias)

Dieser Lebensraumtyp ist in vier optimalen Ausprägungen auf flachgründigen, sauren aber mineralkräftigen Felsstandorten und Felsgrus anzutreffen. Die Felsbandrasen und Silikatfelskuppen und –simse mit artreichen Silikatflechtengesellschaften sind ebenfalls im Lebenraumtyp 8230 inbegriffen. Auf Grund kleinflächig abwechselnder Standortverhältnisse bilden sich im Lebensraumtyp der Silikatfelsen zahlreiche Pflanzengesellschaften aus, die oft eng mit anderen Pflanzengesellschaften und vegetationsfreien Biotopen verzahnt sind. 25 Gefäßpflanzen, 13 Moose und 11 Flechtenarten werden als charakteristische Pflanzenarten bezeichnet (JÄGER 2002). 

Auf Grund von natürlichen Prozessen wie z.B. Gesteinsverwitterung, Bodenerosion und Windschliff ist auf Primärstandorten (z.B. Felsformationen) eine Sukzession mit dem Aufkommen von Gehölzen meistens nicht möglich. Durch anthropogene Einflüsse wie z.B. Beweidung konnte sich die Pioniervegetation des Lebensraumtypen auch auf Randbereiche ausdehnen, die nicht den natürlichen Störungen unterliegen. Diese Bereiche sind auf eine regelmäßige anthropogene Störung angewiesen. Mit dem Ausbleiben dieser Störungen setzt die Sukzession ein und in kurzer Zeit wird es zu einer Umwandlung der Vegetation von der Pioniervegetation zu andersartigen Lebensräumen kommen (JÄGER 2002). 

Auf Standorten die einer natürlichen Dynamik unterliegen ist eine Pflege meist nur dann nötig, wenn einzelne Gehölze auf oder am Rande diese Standorte des Lebensraumtypen beschatten. Vorkommen auf suboptimalen Standorten benötigen eine Pflege. Für den Erhalt dieser Pflanzengesellschaften ist die Beweidung mit Schafen oder Ziegen eine geeignete Pflegemaßnahme. Liegen die Vorkommen inmitten von Trocken- und Halbtrockenrasen können sie in die Beweidung integriert werden. Durch die Beweidung profitieren niedrig- und schwachwüchsige Arten mit guten Regenerationsfähigkeiten, da Gehölze und dicht schließende Gräser zurückgedrängt werden. Durch den Tritt der Tiere entstehen kleinflächige Bodenverwundungen die den Aufwuchs von Sämlingen ermöglichen (JÄGER 2002).

Quellen

JÄGER U. (2002): 8230 Silikatfelsen mit Pioniervegetation des Sedo-Scleranthion oder des Sedo albi-Veronicio dillenii. in: Naturschutz im Land Sachsen-Anhalt, 39. Jahrgang 2002 Sonderheft; S.187-191